03.05.2015

Baupolitiker wollen an die Feldmark

Viele Jahre dauerte die Auseinandersetzung um eine mögliche Bebauung der
Osterholzer Feldmark. Von Trecker-Demonstrationen durch Osterholz bis zur
zweimaligen Behandlung durch das Bundesverfassungsgericht wurde hart um das
bestehende Landschaftsschutzgebiet gekämpft. Letztlich entschied die
rot-grüne Landesregierung 2009 die städtebauliche Entwicklungssatzung
aufzuheben.

Fortan herrschte ein Konsens zwischen rot und grün – die
Osterholzer Feldmark wird nicht bebaut. Diesen Konsens haben die
Baupolitiker der SPD verlassen.

Jürgen Pohlmann, Sprecher der Baudeputation (SPD) fordert jetzt wieder eine
Wohnbebauung in der Osterholzer Feldmark. Ins gleiche Horn stößt die Baupolitikerin
der CDU, Sylvia Neymeyer. Erst kürzlich forderte sie auf einer Veranstaltung neue
Baugebiete auszuweisen. Als Gebiete dafür nannte sie explizit Brokhuchting und die Ränder der
Osterholzer Feldmark. Der Fraktionssprecher der Grünen aus dem Osterholzer
Beirat, Ralf Dillmann, wies diese Überlegungen scharf zurück. „Wir brauchen
keine Bebauung der Osterholzer Feldmark. Schon damals haben wir gesagt, dass
das letzte große Grüngebiet in Osterholz nicht zerstört werden darf. Wer an
den Rändern der Feldmark knabbert, zerstört sie als Ganzes“. In der Tat wäre
es sehr fraglich, ob der Rehwildbestand, die dort wieder brütenden Störche
oder auch Greifvögel dort noch einen ausreichenden Lebensraum finden würden,
wenn von den Rändern her die Fläche bebaut würde.

Dillmann wirft den
Baupolitikern und Teilen der Wohnungsbauunternehmen vor, es sich zu einfach
zu machen: „Anstatt vorhandene Bauflächen und Lücken zu bebauen, wird auf
die einfachen Rezepte vergangener Jahrzehnte zurückgriffen, der Blick
richtet sich reflexartig auf die vorhandenen großen Grüngebiete. An die
Folgen wird nicht gedacht und für die fehlende Infrastruktur soll dann
wieder die Stadt aufkommen“. Dillmann erinnert auch an freiwerdende
Industriebrachen, so ist beispielsweise die LKW-Sparte von Mercedes an der
Osterholzer Heerstraße ausgezogen, stattdessen residiert dort derzeit der
PKW-Verkauf, bis in naher Zukunft der vollkommen sanierte Verkaufsstandort
an der Emil-Sommer-Straße in der Vahr bezogen wird. Die Fläche, angrenzend
an das Wohngebiet in der Halsmühlener Straße, wäre für 300 neue
Wohneinheiten gut geeignet. Dillmann: „Hier hätten wir eine funktionierende
Infrastruktur und würden nicht ein wichtiges Frischluftgebiet dem zu
erwartenden Verkehr für ein Baugebiet auf der grünen Wiese opfern“.

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